Zuchtleitfaden

Geschlechtertrennung:
Männchen und Weibchen unterscheiden sich durch den Abstand zwischen Harnröhre und After. Dieser beträgt bei Weibchen nur 1-2mm während er beim Männchen ca. einen halben Zentimeter beträgt. Außerdem ist bei Männchen eine Falte zwischen After und Harnröhre sichtbar, die bei Weibchen fehlt.

Fortpflanzung:
Weibchen werden mit ca. 8 Wochen geschlechtsreif, Männchen mit ca. 3 Monaten, wobei es frühreife Tiere gibt. Die Degus haben eine zeimlich lange Tragzeit von ca. 85-95 Tage. Die Geburt findet meistens nachts oder in den frühen Morgenstunden statt. Das Weibchen bekommt 1-10 Welpen – durchschnittlich 4-5. Die Welpen fangen bald nach der Geburt an bei der Mutter zu saugen, dabei liegen sie meist auf dem Rücken. Die Welpen können am Anfang ihre Körpertemperatur noch nicht vollständig selbst regulieren. Sie werden deshalb von der Mutter oder anderen Familienmitgliedern gekuschelt. Es sollte in dieser Zeit nicht zu kalt im Deguzimmer sein. Die Welpen kommen vollständig behaart auf die Welt und haben die Augen geöffnet. Bereits am 1. oder 2. Tag nach der Geburt  beginnen sie mit ersten Ausflügen aus dem Nest.
Sie werden ca. 3-4 Wochen lang gesäugt und können mit ca.  6-7 Wochen von der Mutter getrennt werden. Unmittelbar nach der Geburt ist das Weibchen wieder empfängnissbereit, wodurch es in Käfighaltung theoretisch bis zu 4 Würfe pro Jahr haben kann. Die Jungtiere sind erst im Alter von ca. 1 Jahr ausgewachsen. Männchen entwickeln ihre Fruchtbarkeit meist nur in Gegenwart von Weibchen. Weibchen haben nur einen Eisprung in Gegenwart von Männchen.

Auswahl und Zucht:
Für die Zucht ist die Auswahl der richtigen Tiere essenziell und kann viel Zeit in anspruch nehmen. Die Tiere sollten sozial und gesundheitlich einwandfrei sein, einen schönen Körperbau und möglichst einen Stammbaum haben. Bei Männchen ist das Alter, in dem sie in die Zucht gehen nicht entscheidend. Bei Weibchen hängt das Alter von der Größe und vom Gewicht ab. Da es bei zu kleinen Tieren zu tötlichen Geburtskomplikationen kommen kann, sollte ein Weibchen nicht gedeckt werden bevor es ca. 6 Monate alt ist und es sollte beim ersten Wurf nicht älter als ca. 1,5 Jahre sein. Ein Weibchen, das älter als ca. 2,5 Jahre alt ist sollte nicht mehr werfen.
Für die Zucht wird ein oder mehrere Weibchen mit einem Bock vergesellschaftet. Um die Gesundheit der Tiere nicht zu gefährden, sollte ein Tier maximal zwei Würfe pro Jahr haben. Deshalb trennen wir den Bock vor der Geburt des zweiten Wurfes vom Weibchen ( es ist sofort nach der Geburt wieder empfängnisbereit ). Normalerweise, wenn der Wurf 6 Wochen alt ist sonst besteht die Gefahr, dass der Vater evtl.die Töchter aus dem Wurf  deckt ( Weibchen werden mit ca. 8 Wochen geschlechtsreif, doch auch hier gibt es frühreife ).
Normalerweise kümmern sich sowohl die Väter als auch die übrigen weiblichen Mitbewohner um die Welpen. Sind mehrere Weibchen trächtig benutzen sie häufig sogar das selbe Nest.
Nach der Geburt sollte man nur kurz eine Nestkontrolle durchführen und evtl. tote Welpen entfernen. Ansonsten sollte man die Familie nur beobachten und nicht stören. Sind alle fit und munter, v.a. die Mutter, sollte man die Welpen erst im Alter von ca. 1 Woche anfassen und beginnen an die Hand zu gewöhnen. Den Käfig sollte man erst wieder reinigen, wenn die Kleinen ca. 3 Wochen alt sind, bis dahin genügt es die „Pipiecken“ zu säubern.
Sollte die Mutter ein auffälliges Verhalten zeigen oder müde und apathisch wirken, sollte man umgehend einen Tierarzt aufsuchen. Möglciherweise sind ungeborene Welpen im Bauch zurückgeblieben und vergiften die Mutter.
Trächtige und säugende Weibchen brauchen eigentlich kein besonderes Futter. Ich selbst erhöhe den Anteil an Löwenzahn und stecke den Mamas öfter mal ein extra Leckerlie zu, denn säugen braucht viel Energie.
Beim zweiten Wurf zieht der ältere Wurf den jüngeren Wurf mit groß und sammelt so Erfahrungen, die v.a. bei zukünftigen Zuchttieren wichtig sind. Aus den Würfen sucht man sich i.d.R. die potenziellen zukünftigen Zuchttiere aus und beobachtet sie bis zur Zuchtreife in gleichgeschlechtlichen Gruppen. Erst dann kennt man die Tiere gut genug, um über die Zuchteignung zu entscheiden.
Für eine seriöse Zucht ist es wichtig die ehemaligen Zuchttiere zu behalten und bis zu ihrem Tod zu beobachten ( Wie alt werden sie? Treten im hohen Alter Erkrankungen auf? etc. )
Für die Weibchen gibt es bei uns einen großen Käfig, in dem alle zusammen bis zu ihrem Tod leben. Die Männchen werden entwerder in unserer Männergruppe integriert, oder erneut mit Weibchen vergesellschaftet.
Männchen bleiben eigentlich bis ins hohe Alter zeugungsfähig und es spricht nichts dagegen einen alten, gesunden Bock zur Zucht einzusetzten. Allerdings kann es bei Männchen, die lange in einer gleichgeschlechtlichen Gruppe gelebt haben etwas dauern, bis die Zeugungsfähigkeit wieder einsetzt.